Zwischenruf Pflanzenschutz 4.0

Wenn in der Landwirtschaft 4.0 Roboterschwärme den Pflanzenschutz übernehmen, müssen wir das Thema neu denken.

Bisher wird Pflanzenschutz meist abhängig vom Schadschwelle bzw. dem Befallsdruck durchgeführt. Dann muss die betroffene(n) Fläche(n) in kurzer Zeit behandelt werden. Das wird so bleiben, zumindest wenn wir in Kategorien von großen Maschinen denken.

Anders kann es aussehen, wenn Roboter den Pflanzenschutz übernehmen. Im Szenario 1 ist der Roboterschwarm: ähnlich wie mit aktuellen Maschinen bringt ein Trägerfahrzeug die vielen kleinen Roboter zum Schlag und schickt sie los. Die Roboter arbeiten weitgehend autonom und bekämpfen nur dort, wo es wirklich notwendig ist. Der Mittelbedarf sinkt um ca. 80% bis 95%.

Das lässt sich aber auch anders denken. Und zwar wird auf jedem Schlag ein „Serviceroboter“ für Pflanzenanalyse und -schutz installiert. Der überprüft permanent und sehr viel genauer als es aktuell möglich ist, ob und wenn ja, welche Schäden den Pflanzen drohen (und natürlich weitere Parameter wie Wasserversorgung, Temperatur, Reifegrad etc. – alles was sinnvoll/bezahlbar ist und was die Sensoren hergeben). Wenn die Schäden zu umfangreich sind, meldet er sie und das Szenario 1 von oben tritt in Kraft.
Wahrscheinlicher aber ist, dass der Roboter die Schäden so früh erkennt, dass er sie selbst beheben kann. Ob der erste Ackerhalm, das erste Auftreten von Schnecken oder Pilzen – der Roboter erkennt das im frühsten Frühstadium, lange bevor die Schadschwelle erreicht ist. Vielleicht noch vernetzt mit den Informationen von Nachbarschlägen, lässt sich so eine exakte Bekämpfung auf kleinstem Niveau realisieren, lange bevor die „schweren Geschütze“ aufgefahren werden müssen.

Dass so ein Szenario den Mittelaufwand nochmal drastisch reduzieren würde, versteht sich von selbst.

Meine Meinung

Anders denken ist nicht so einfach. Aber Fortschritt ersetzt oft nicht eine Technologie durch eine bessere, sondern sie löst das Thema auf eine ganz neue Art. „Disruptiv“ nennt sich das. Und Disruption steht der Landwirtschaft im nicht absehbaren Ausmaß bevor. Vielleicht ist sogar das Szenario eines Serviceroboters noch zu traditionell gedacht…