Stand der Digitalisierung in der Landwirtschaft im Frühjahr 2018

Nach Farm & Food 4.0 und der Digital Farming Conference 2018 fasse ich einige Aspekte der Digitalisierung in der Landwirtschaft zusammen. Stand ist Ende März 2018 d.h. schon morgen wahrscheinlich mehr aktuell.

Was kann Digitalisierung in der Außenwirtschaft leisten?

Die teilflächenspezifische Bewirtschaftung wird zunehmend ersetzt durch die Einzelpflanzen-Bewirtschaftung: es werden nicht mehr Bereiche definiert, die dann gleich behandelt werden, sondern Pflanze für Pflanze wird einzeln gesät, gedüngt und vor Schädlingen geschützt.

In den nächsten Jahren kann der Herbizideinsatz durch Digitalisierung drastisch gesenkt werden, Fachleute sprechen von einer Reduktion um 80%. Möglich wird das durch die Erkennung einzelner Pflanzen, wobei die Unkräuter dann (letztlich egal ob chemisch, thermisch, elektrisch oder mechanisch) bekämpft werden. Das Ganze ist vor allem ein Thema von Maschinenherstellern, die plötzlich Konkurrenten der Agrarchemie sind (siehe Disruption). Für Fungizide und Insektizide wird die Entwicklung noch etwas länger dauern, grundsätzlich funktioniert sie aber nach demselben Muster.

Im Bereich der Software wird es zunehmend Lösungen geben, die aus den vielen Einzeldaten konkrete Handlungsempfehlungen machen oder diese gleich umsetzen. Am weitesten sind die Ansätze in der Unkrautbekämpfung, wobei sich chemische Industrie (Apps) und Maschinenhersteller von unterschiedlichen Seiten der Mitteleinsparung nähern. Predictive wird hier der nächste Schritt sein. Software, die Blattkrankheiten erkennt, gibt es bereits

Robotik wird sich ihren Platz zuerst erobern auf Grenzstandorten, bei Raumkulturen (wie vertical farming) und beim Spot-Farming.

Was kann Digitalisierung in der Außenwirtschaft nicht leisten?

Der Ersatz von Traktor oder Selbstfahrern mit Fahrer durch autonome Traktoren ist auf dem Feld technisch machbar (siehe das spektakuläre Bild von Case IH aus 2016), lohnt sich aber wirtschaftlich nicht. Denn noch immer muss ein Fahrer die Maschine zum Feld fahren, noch immer gibt es Störungen die schnell behoben werden müssen. Und spätestens wenn die Arbeit auf dem Schlag erledigt ist, muss für das Umsetzen auf absehbare Zeit noch ein Fahrer da sein. Gleiches gilt für die Logistik zum und vom Feld, hier ist das autonome Fahren noch nicht weit genug. In wieweit und wann solche Systeme auch auf Feldwegen zurechtkommen (bzw. wann es sich für die Hersteller lohnt, sich abseits von Straßen mit dieser Nischenanwendung zu beschäftigen), ist nicht absehbar.

Robotik rechnet sich derzeit auch noch nicht. Vor allem in der Ernte müssen riesige Massen bewegt werden, die von Robotern derzeit nicht wirklich zu leisten sind. Bei Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz ist diese logistische Hürde kleiner, insbesondere Roboterschwärme könnten … – aber das ist noch im Prototypen-Stadium. Robotik wäre zudem eine Voraussetzung für Spot Farming, das aber ist nicht wirklich absehbar.

Drohnen werden weiter Nischen vor allem in der Analyse und Diagnostik erobern, ein breiter Einsatz im Pflanzenbau wie etwa Aussaat, Düngung, Pflanzenschutz oder Ernte ist nicht absehbar. Sieht man vielleicht von ersten Versuchen mit biologischer Schädlingsbekämpfung im Mais oder im Weinbau ab. Aber das sind zunächst vor allem Nischen.

Meine Meinung:

Es zeigen sich klare Grenzen, die vor allem durch die Wirtschaftlichkeit gesetzt werden. Nicht alles was technisch machbar ist, ist auch sinnvoll.
Interessant ist vor allem die Entwicklung rund um Einzelpflanzen-Bewirtschaftung und die schwierige Zukunft des chemischen Pflanzenschutzes.
Wird spannend.